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1 Mai 2021

Pharmakologische Blutdrucksenkung zur Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen über verschiedene Blutdruckniveaus hinweg

eine Metaanalyse auf Basis individueller Teilnehmerdaten.

Lancet (London, England)

Diese Metaanalyse auf Basis individueller Teilnehmerdaten der BPLTTC zeigte, dass die pharmakologische Blutdrucksenkung kardiovaskuläre Ereignisse über alle Ausgangsblutdruckniveaus hinweg reduziert, einschließlich bei Personen mit normalem oder hochnormalem Blutdruck. Die Befunde unterstützen eine Behandlungsstrategie, die sich am absoluten kardiovaskulären Risiko orientiert, statt allein an Blutdruck-Schwellenwerten.

Hintergrund

Die Wirkungen der pharmakologischen Blutdrucksenkung bei normalen oder hochnormalen Blutdruckbereichen bei Personen mit oder ohne vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankung bleiben unsicher. Wir analysierten individuelle Teilnehmerdaten aus randomisierten Studien, um die Wirkungen der blutdrucksenkenden Behandlung auf das Risiko schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse nach Ausgangsniveaus des systolischen Blutdrucks zu untersuchen.

Methoden

Wir führten eine Metaanalyse individueller Teilnehmerdaten aus 48 randomisierten Studien zu pharmakologischen blutdrucksenkenden Medikamenten versus Placebo oder anderen Klassen blutdrucksenkender Medikamente durch, oder zwischen intensiveren versus weniger intensiven Behandlungsschemata, die jeweils mindestens 1000 Personenjahre Nachbeobachtung pro Gruppe aufwiesen. Studien, die ausschließlich mit Teilnehmern mit Herzinsuffizienz oder mit kurzfristigen Interventionen bei Teilnehmern mit akutem Myokardinfarkt oder anderen akuten Situationen durchgeführt wurden, wurden ausgeschlossen. Daten aus 51 zwischen 1972 und 2013 veröffentlichten Studien wurden von der Blood Pressure Lowering Treatment Trialists' Collaboration (Oxford University, Oxford, UK) bezogen. Wir poolten die Daten, um die stratifizierten Wirkungen der blutdrucksenkenden Behandlung bei Teilnehmern mit und ohne prävalente kardiovaskuläre Erkrankung zu untersuchen (d. h. jegliche Berichte über Schlaganfall, Myokardinfarkt oder ischämische Herzerkrankung vor der Randomisierung), insgesamt und über sieben Kategorien des systolischen Blutdrucks hinweg (von <120 bis ≥170 mmHg). Der primäre Endpunkt war ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis (definiert als Composite aus tödlichem und nicht-tödlichem Schlaganfall, tödlichem oder nicht-tödlichem Myokardinfarkt oder ischämischer Herzerkrankung, oder Herzinsuffizienz mit Todesfolge oder erforderlicher Krankenhausaufnahme), analysiert nach dem Intention-to-treat-Prinzip.

Ergebnisse

Daten zu 344.716 Teilnehmern aus 48 randomisierten klinischen Studien standen für diese Analyse zur Verfügung. Die mittleren systolischen/diastolischen Blutdruckwerte vor Randomisierung betrugen 146/84 mmHg bei Teilnehmern mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung (n = 157.728) und 157/89 mmHg bei Teilnehmern ohne vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankung (n = 186.988). Es gab eine erhebliche Streuung des Ausgangsblutdrucks der Teilnehmer, wobei 31.239 (19,8 %) der Teilnehmer mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung und 14.928 (8,0 %) der Personen ohne vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankung einen systolischen Blutdruck von unter 130 mmHg hatten. Die relativen Wirkungen der blutdrucksenkenden Behandlung waren proportional zur Intensität der systolischen Blutdrucksenkung. Nach einer medianen Nachbeobachtungsdauer von 4,15 Jahren (Q1-Q3 2,97-4,96) hatten 42.324 Teilnehmer (12,3 %) mindestens ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis. Bei Teilnehmern ohne vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankung zu Studienbeginn betrug die Inzidenzrate für die Entwicklung eines schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisses pro 1000 Personenjahre 31,9 (95 %-KI 31,3-32,5) in der Vergleichsgruppe und 25,9 (25,4-26,4) in der Interventionsgruppe. Bei Teilnehmern mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung zu Studienbeginn betrugen die entsprechenden Raten 39,7 (95 %-KI 39,0-40,5) bzw. 36,0 (95 %-KI 35,3-36,7) in der Vergleichs- bzw. Interventionsgruppe. Die mit einer Reduktion des systolischen Blutdrucks um 5 mmHg assoziierten Hazard Ratios (HR) für ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis betrugen 0,91 (95 %-KI 0,89-0,94) für Teilnehmer ohne vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankung und 0,89 (0,86-0,92) für jene mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung. In stratifizierten Analysen gab es keine verlässlichen Hinweise auf eine Heterogenität der Behandlungseffekte auf schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse nach Ausgangsstatus der kardiovaskulären Erkrankung oder Kategorien des systolischen Blutdrucks.

Schlussfolgerungen

In dieser groß angelegten Analyse randomisierter Studien reduzierte eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 5 mmHg das Risiko schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse um etwa 10 %, unabhängig von früheren Diagnosen kardiovaskulärer Erkrankungen und selbst bei normalen oder hochnormalen Blutdruckwerten. Diese Befunde legen nahe, dass ein fester Grad an pharmakologischer Blutdrucksenkung für die Primär- und Sekundärprävention schwerwiegender kardiovaskulärer Erkrankungen ähnlich wirksam ist, selbst bei Blutdruckwerten, die derzeit nicht für eine Behandlung in Betracht gezogen werden. Ärzte, die ihren Patienten die Indikation für eine blutdrucksenkende Behandlung erläutern, sollten deren Bedeutung für die Senkung des kardiovaskulären Risikos betonen, statt sich auf die Blutdrucksenkung selbst zu konzentrieren.