DE
Anmelden

Wissenschaftliche Updates ·

Myokardinfarkt: Eine neue universelle Definition

Was Hausärzte wissen müssen

Zum ersten Mal haben sich vier der weltweit führenden kardiologischen Fachgesellschaften zusammengeschlossen, um eine einheitliche, universelle Definition des Myokardinfarkts (MI) zu veröffentlichen. Die Fünfte Universelle Definition des Myokardinfarkts wurde gemeinsam von der European Society of Cardiology (ESC), dem American College of Cardiology (ACC), der American Heart Association (AHA) und der World Heart Federation (WHF) entwickelt und auf dem ESC Congress 2026 vorgestellt.

Warum dies in der hausärztlichen Versorgung wichtig ist

Ein Myokardinfarkt (MI) bleibt eine der häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen, die Hausärzte vorfinden; er betrifft schätzungsweise 3,8 % der Menschen unter 60 Jahren und 9,5 % derjenigen über 60 Jahren. Er ist weiterhin eine der führenden Todesursachen weltweit, sodass eine klare und konsistente Klassifizierung nicht nur eine akademische Übung ist – sie hat direkten Einfluss darauf, wie Patienten diagnostiziert, überwiesen und behandelt werden.

Das vorherige System basierte auf einem numerischen Typisierungsschema (Typ 1, Typ 2, Typ 4c usw.). Während dies für Spezialisten nützlich war, war es im klinischen Alltag oft schwierig, konsistent anzuwenden, und es wurde selten in eine Sprache übersetzt, die für Patienten nachvollziehbar war. Die vier Fachgesellschaften haben dies nun durch einen vereinfachten, ursachenbasierten Rahmen ersetzt, der für Kliniker intuitiver und für die Patienten, die Ihnen gegenüber sitzen, bedeutungsvoller ist.

Die drei neuen Kategorien

Anstatt numerischer Subtypen fällt jeder Myokardinfarkt nun in eine von drei klinischen Kategorien:

  • Primärer Myokardinfarkt — entsteht spontan aufgrund eines akuten Problems in einer koronaren Arterie. Am häufigsten ist dies auf das Platzen eines atherosklerotischen Plaques zurückzuführen, es kann jedoch auch durch eine Ruptur der koronaren Gefäßwand (spontane koronare Arteriendissektion, SCAD), einen koronaren Spasmus oder ein Blutgerinnsel resultieren.
  • Sekundärer Myokardinfarkt — resultiert aus einem Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf im Herzen, ausgelöst durch eine andere zugrunde liegende Erkrankung wie schwere Hypertonie, Hypotonie oder eine sehr hohe Herzfrequenz.
  • Verfahrensassoziierter Myokardinfarkt — tritt innerhalb von 30 Tagen nach einem kardiologischen Eingriff (z. B. koronare Stentimplantation) oder einer kardiologischen Operation (z. B. koronare Bypass-Operation) auf.

Das aktualisierte Dokument spezifiziert auch die diagnostischen Tests und Untersuchungen, die zur Bestätigung jeder Kategorie erforderlich sind, und gibt klarere Leitlinien für die erforderliche Diagnostik in jeder Phase.

Bessere Gespräche mit Patienten

Einer der praktischen Vorteile für Kliniker in der ersten Linie ist die Kommunikation. Wie Professor Kristin Newby (Duke University Medical Center), Vorsitzende der ACC/AHA-Arbeitsgruppe, feststellte, verwendeten Kliniker die alte numerische Terminologie selten direkt mit Patienten, da sie zu technisch war. Die neuen, ursachenbasierten Bezeichnungen machen es viel einfacher, zu erklären, warum ein Patient einen Myokardinfarkt erlitten hat – und warum bestimmte Folgeuntersuchungen oder Behandlungen empfohlen werden.

Abgestimmt auf die ICD-11-Codierung

Zum ersten Mal wurde die universelle Definition des Myokardinfarkts auch an die Codierung der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) angepasst. In Zusammenarbeit mit der WHO entwickelt, sollen die neuen ICD-11-Codes die Erfassung von Myokardinfarkt-Daten in Gesundheitssystemen standardisieren. Laut Associate Professor Sarah Zaman (University of Sydney), Vorsitzende der WHF, sollte diese Abstimmung langfristig die Überwachung der öffentlichen Gesundheit und die Planung der Gesundheitssysteme verbessern und gleichzeitig besser ausgelegte Forschung zu untererkannten Ursachen von Myokardinfarkten ermöglichen.

Ein Bereich, der wahrscheinlich profitieren wird, ist die spontane koronare Arteriendissektion (SCAD) – eine Ursache für primäre Myokardinfarkte, die überwiegend Frauen betrifft und derzeit unterdiagnostiziert ist. Standardisierte Codierungen könnten die dringend benötigte großangelegte Forschung zu dieser Erkrankung unterstützen.

Die Kernaussage für Hausärzte

  • Erwarten Sie, dass in Entlassungsberichten und Korrespondenzen mit Fachärzten die ursachenbasierte Terminologie (primär, sekundär, verfahrensassoziiert) die numerischen Myokardinfarkt-Typen ersetzt.
  • Der neue Rahmen sollte es erleichtern, die Diagnose eines Patienten in den Folgegesprächen in verständlicher Sprache zu erklären.
  • Behalten Sie SCAD im Blick, insbesondere bei jüngeren Patientinnen, die mit Myokardinfarkt-Symptomen und wenigen traditionellen Risikofaktoren vorstellig werden – sie könnte häufiger sein, als die aktuelle Codierung vermuten lässt.
  • Die Abstimmung mit ICD-11 ist eine langfristige Entwicklung; die vollständige Implementierung wird Zeit in Anspruch nehmen, legt aber das Fundament für bessere Daten und zukünftige Forschung.

Diese Seite wurde aus dem Englischen übersetzt und kann Fehler enthalten. Englisches Original