Einführung: Kardiovaskuläres Risikomanagement durch die Primärversorgung in Bulgarien
Im Jahr 2000 übernahm Bulgarien das allgemeine Primärversorgungsmodell und leitete Reformen seines nationalen Gesundheitssystems ein. Die Vorteile dieses Modells für Bulgarien bestanden darin, dass es menschenzentrierte und patientenzentrierte Medizin, eine langfristige Beziehung zwischen der Hausärztin/dem Hausarzt, ihrem/seinem Personal und den Patientinnen und Patienten sowie ihren Familien, die sie/ihn gewählt haben, umfasste. Zudem bietet es einfachen und gleichberechtigten Zugang zur Gesundheitsversorgung und ist bei hohem medizinischem Aktivitätsvolumen kosteneffizient.
In Bulgarien gibt es Gemeinschaftspraxen mit mindestens 2 Hausärztinnen/Hausärzten und Einzelpraxen mit 1 Hausärztin/Hausarzt. Alle Praxen sind gemäß den Vorschriften des bulgarischen Handelsgesetzes als Unternehmen registriert. Die hausärztliche Ambulanz muss bestimmte, vom Nationalen Krankenversicherungsfonds festgelegte Kriterien sowie zusätzliche vom Gesundheitsministerium vorgegebene Regeln erfüllen, um einen Vertrag mit dem Nationalen Krankenversicherungsfonds abschließen zu können. Hausärztinnen/Hausärzte erhalten alle 6 Monate eine Liste potenzieller Patientinnen und Patienten, die sie gewählt haben. Zudem müssen Hausärztinnen/Hausärzte ihr Personal und Pflegekräfte selbst anstellen; manche werden als Beraterinnen/Berater engagiert.
Die Hausärztinnen/Hausärzte zahlen alle Gehälter und Honorare des Personals, Sozialversicherungsbeiträge, Einkommensteuer und die Praxismiete. Viele Hausärztinnen/Hausärzte haben keine eigenen Räumlichkeiten. Hausärztinnen/Hausärzte kaufen Ausrüstung und Verbrauchsmaterial und müssen ihre Buchhaltung führen und entsprechend bezahlen. Hausärztinnen/Hausärzte sind persönlich gegenüber allen Institutionen verantwortlich, die direkt oder indirekt mit ihrer Arbeit zusammenhängen, und werden in vielen Fällen mit Bußgeldern belegt, wenn dies nicht eingehalten wird.
In Bulgarien führen Hausärztinnen/Hausärzte Prävention, Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen für Menschen jeden Alters durch. Zudem betreuen und behandeln sie Patientinnen und Patienten mit bestimmten chronischen Erkrankungen, diagnostizieren und behandeln Patientinnen und Patienten mit akutem Krankheitsbeginn und führen in manchen Fällen Hausbesuche durch. Die Hausärztinnen/Hausärzte bieten ihren Patientinnen und Patienten eine kontinuierliche Primärversorgung, auch außerhalb der Arbeitszeiten, durch telefonische Beratung, Hausbesuche oder Untersuchung in der Ambulanz. Manche Hausärztinnen/Hausärzte in Bulgarien engagieren eine eigens für diesen Zweck geschaffene Bereitschaftsambulanz. Hausärztinnen/Hausärzte leiten Patientinnen und Patienten durch andere Ebenen des Gesundheitssystems (wenn z. B. die Gesundheit einer Patientin/eines Patienten oder ein anderes Problem in der hausärztlichen Ambulanz nicht gelöst werden kann, veranlasst die Hausärztin/der Hausarzt eine Überweisung an eine Fachärztin/einen Facharzt oder ein Krankenhaus).
Der Nationale Verband der Hausärztinnen und Hausärzte in Bulgarien wurde im Jahr 2000 gegründet. Derzeit besteht er aus 13 Mitgliedern, einer Präsidentin/einem Präsidenten und 12 Mitgliedern, die für eine 4-jährige Amtszeit gewählt werden. Es gibt 28 lokale Strukturen im ganzen Land mit insgesamt 3.800 Mitgliedern, was etwa 95% aller Hausärztinnen und Hausärzte in Bulgarien entspricht. Es findet jährlich eine nationale Konferenz und alle 4 Jahre ein nationaler Kongress statt. Zusätzlich gibt es 3 bis 4 lokale Konferenzen pro Jahr, wobei viele Mitglieder an internationalen Foren, Konferenzen und Kongressen teilnehmen. Der Nationale Verband der Hausärztinnen und Hausärzte ist zudem Teil des Verbands der Hausärztinnen/Hausärzte und Fachärztinnen/Fachärzte für Familienmedizin in Südosteuropa, und unsere Mitglieder nehmen auch an dessen Treffen teil.
Der Auftrag des Nationalen Verbands der Hausärztinnen und Hausärzte in Bulgarien besteht darin, Öffentlichkeitsarbeit und Informationsaustausch zu entwickeln, den Menschen zu erklären, was sie von einer Fachrichtung mit einem breiten Spektrum und einer Vielzahl von Tätigkeiten erwarten können, die Rechte unserer Patientinnen und Patienten sowie berufliche, wirtschaftliche und soziale Interessen zu schützen, die Grundsätze der ärztlichen Ethik und Deontologie zu respektieren, unsere Mitglieder mit Informationen zu versorgen und die Fachrichtung Allgemeinmedizin weiterzuentwickeln. Es besteht zudem ein großes Interesse an kardiovaskulären Erkrankungen, wobei Mitglieder aktiv forschen, publizieren und auf internationalen Tagungen präsentieren, einschließlich beim diesjährigen EPCCS-Kongress in Dublin. Dort präsentierte ich Daten aus einer Studie zur Anwendung von Lipitor bei der Kontrolle von Patientinnen und Patienten mit Hypertonie und Typ-2-Diabetes. Zudem wurden dieses Jahr 3 Beiträge im Journal of Hypertension veröffentlicht: Antihypertensive Therapy in Bulgarian Patients with Diabetes and Hypertension, Comorbidities in Patients with Type II Diabetes and Arterial Hypertension in Bulgarian General Population, sowie Risk Profile of Patients with Type II Diabetes and Arterial Hypertension in Bulgarian General Population.