Die ISCHEMIA-Studie zeigte, dass eine initiale invasive Strategie mit Revaskularisation im Vergleich zur alleinigen optimalen medikamentösen Therapie bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit und mäßiger bis schwerer Ischämie den kardiovaskulären Tod oder MI nicht reduzierte. Die Befunde bestätigten die medikamentöse Therapie als vernünftigen Erstlinienansatz selbst bei Vorliegen signifikanter Ischämie.
Bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit und mäßiger oder schwerer Ischämie ist unklar, ob die klinischen Endpunkte bei denjenigen, die eine invasive Intervention plus medikamentöse Therapie erhalten, besser sind als bei denjenigen, die nur eine medikamentöse Therapie erhalten.
Wir teilten 5179 Patienten mit mäßiger oder schwerer Ischämie randomisiert entweder einer initialen invasiven Strategie (Angiographie und, wenn möglich, Revaskularisation) plus medikamentöser Therapie oder einer initialen konservativen Strategie mit alleiniger medikamentöser Therapie und Angiographie bei Versagen der medikamentösen Therapie zu. Der primäre Endpunkt war ein zusammengesetzter Endpunkt aus Tod aus kardiovaskulärer Ursache, Myokardinfarkt oder Hospitalisierung wegen instabiler Angina pectoris, Herzinsuffizienz oder reanimiertem Herzstillstand. Ein wichtiger sekundärer Endpunkt war Tod aus kardiovaskulärer Ursache oder Myokardinfarkt.
Über einen Median von 3,2 Jahren traten 318 Ereignisse des primären Endpunkts in der invasiven Strategiegruppe und 352 in der konservativen Strategiegruppe auf. Nach 6 Monaten betrug die kumulative Ereignisrate 5,3 % in der invasiven Strategiegruppe und 3,4 % in der konservativen Strategiegruppe (Differenz 1,9 Prozentpunkte; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,8 bis 3,0); nach 5 Jahren betrug die kumulative Ereignisrate 16,4 % bzw. 18,2 % (Differenz -1,8 Prozentpunkte; 95 %-KI -4,7 bis 1,0). Die Ergebnisse waren hinsichtlich des wichtigen sekundären Endpunkts ähnlich. Die Inzidenz des primären Endpunkts war sensitiv gegenüber der Definition des Myokardinfarkts; eine sekundäre Analyse ergab mehr prozedurale Myokardinfarkte von unklarer klinischer Bedeutung. Es gab 145 Todesfälle in der invasiven Strategiegruppe und 144 Todesfälle in der konservativen Strategiegruppe (Hazard Ratio 1,05; 95 %-KI 0,83 bis 1,32).
Bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit und mäßiger oder schwerer Ischämie fanden wir keine Belege dafür, dass eine initiale invasive Strategie im Vergleich zu einer initialen konservativen Strategie das Risiko ischämischer kardiovaskulärer Ereignisse oder des Todes jeglicher Ursache über einen Median von 3,2 Jahren reduzierte. Die Studienbefunde waren sensitiv gegenüber der verwendeten Definition des Myokardinfarkts. (Finanziert vom National Heart, Lung, and Blood Institute und anderen; ClinicalTrials.gov-Nummer der Studie ISCHEMIA, NCT01471522.).