Diese EAST-AFNET-4-Analyse zeigte, dass eine frühe Rhythmuskontrolle die Ergebnisse bei VHF-Patienten unabhängig vom Symptomstatus verbessert und die Indikation über symptomatische Patienten hinaus erweitert. Der Befund stellte die leitlinienbedingte Beschränkung der Rhythmuskontrolle auf symptomatisches VHF infrage.
Leitlinien für die klinische Praxis beschränken die Rhythmuskontrolltherapie auf Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern (VHF). Die EAST-AFNET-4-Studie zeigte, dass eine frühe, systematische Rhythmuskontrolle die klinischen Ergebnisse im Vergleich zu einer symptomorientierten Rhythmuskontrolle verbessert.
Diese vorab festgelegte EAST-AFNET-4-Analyse verglich die Wirkung einer frühen Rhythmuskontrolltherapie bei asymptomatischen Patienten (EHRA-Score I) mit symptomatischen Patienten. Primärer Endpunkt war ein Composite aus kardiovaskulärem Tod, Schlaganfall, oder Hospitalisierung wegen Verschlechterung einer Herzinsuffizienz oder eines akuten Koronarsyndroms, analysiert in einer Zeit-bis-zum-Ereignis-Analyse. Zu Studienbeginn waren 801/2633 (30,4 %) Patienten asymptomatisch [mittleres Alter 71,3 Jahre, 37,5 % Frauen, mittlerer CHA2DS2-VASc-Score 3,4, 169/801 (21,1 %) Herzinsuffizienz]. Asymptomatische Patienten, die der frühen Rhythmuskontrolle randomisiert zugeteilt wurden (395/801), erhielten ähnliche Rhythmuskontrolltherapien wie symptomatische Patienten [z. B. VHF-Ablation nach 24 Monaten: 75/395 (19,0 %) bei asymptomatischen; 176/910 (19,3 %) bei symptomatischen Patienten, p=0,672]. Antikoagulation und Behandlung begleitender kardiovaskulärer Erkrankungen unterschieden sich nicht zwischen symptomatischen und asymptomatischen Patienten. Der primäre Endpunkt trat bei 79/395 asymptomatischen Patienten, die der frühen Rhythmuskontrolle zugeteilt wurden, und bei 97/406 Patienten, die der üblichen Versorgung zugeteilt wurden, auf (Hazard Ratio 0,76, 95 %-Konfidenzintervall [0,6; 1,03]), was nahezu identisch mit symptomatischen Patienten war. Bei der 24-Monats-Nachbeobachtung unterschied sich die Veränderung des Symptomstatus nicht zwischen den randomisierten Gruppen (p=0,19).
Der klinische Nutzen einer frühen, systematischen Rhythmuskontrolle unterschied sich in EAST-AFNET 4 nicht zwischen asymptomatischen und symptomatischen Patienten. Diese Ergebnisse erfordern eine partizipative Entscheidungsfindung, bei der die Vorteile der Rhythmuskontrolltherapie bei allen Patienten mit kürzlich diagnostiziertem VHF und begleitenden kardiovaskulären Erkrankungen besprochen werden (EAST-AFNET 4; ISRCTN04708680; NCT01288352; EudraCT2010-021258-20).