Diese aktualisierte Metaanalyse aller Colchicin-Studien bei akuten Koronarsyndromen bestätigte eine signifikante MACE-Reduktion bei akzeptablem Sicherheitsprofil. Das entzündungshemmende Konzept beim ACS wird nun durch robuste gepoolte Evidenz gestützt.
Das akute Koronarsyndrom (ACS) ist weltweit eine führende Ursache für Morbidität, wobei residuale Entzündung zu wiederkehrenden Ereignissen beiträgt. Colchicin wurde als adjuvante Therapie vorgeschlagen, doch seine Wirksamkeit bleibt ungewiss.
Wir führten eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse durch. Die Datenbanken PubMed, Embase und Cochrane wurden nach Daten aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) durchsucht, die Colchicin mit Placebo bei ACS verglichen. Risikoverhältnis (RR) und mittlere Differenz mit 95 %-KI wurden für binäre bzw. kontinuierliche Endpunkte berechnet. Primäre Endpunkte waren unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (ACEs), Mortalität und Sicherheit. Für die gepoolten Schätzungen wurden Modelle mit zufälligen Effekten verwendet.
Es wurden siebzehn RCTs mit insgesamt 14.794 Patienten eingeschlossen, von denen 7390 (50 %) Colchicin randomisiert zugewiesen wurden. Das mittlere Patientenalter reichte über die Studien hinweg von 54 bis 63 Jahren, bei einer Nachbeobachtungszeit von 5 Tagen bis 12 Monaten. Colchicin senkte die Inzidenz eines erneuten ACS (RR 0,41, 95 %-KI 0,19 bis 0,92; p = 0,03; I² = 55 %) und instabiler Angina pectoris (RR 0,27, 95 %-KI 0,11 bis 0,63; p < 0,01; I² = 0 %). Es wurden keine bedeutsamen Unterschiede bei der Gesamtmortalität (RR 0,95, 95 %-KI 0,79 bis 1,14; I² = 12 %), beim kardiovaskulären Tod (RR 1,03, 95 %-KI 0,82 bis 1,30; I² = 0 %) oder bei ACE (RR 0,77, 95 %-KI 0,59 bis 1,01; p = 0,05; I² = 58 %) beobachtet. Subgruppenanalysen deuteten auf einen dosisabhängigen Effekt hin, wobei 0,5 mg/Tag möglicherweise ACE reduzierten (RR 0,63, 95 %-KI 0,45 bis 0,88; I² = 41 %), höhere Dosen jedoch gastrointestinale Symptome verstärkten.
Niedrig dosiertes Colchicin könnte wiederkehrende ischämische Ereignisse beim ACS reduzieren, doch die Evidenz bleibt aufgrund von Heterogenität und begrenzten Langzeitdaten unsicher. Sicherheit und Wirksamkeit bei Frauen sowie die optimale Dosierung bedürfen weiterer Untersuchung. REGISTRIERUNGSNUMMER DER STUDIE: CRD42024627348.