EN Menu

1 März 2018

Griechenland: Überblick kardiovaskuläre Primärversorgung

EPCCS Council 2017

Einführung: Kardiovaskuläres Risikomanagement durch die Primärversorgung in Griechenland

Primärversorgung in Griechenland

In Griechenland ist die Ausrichtung des Gesundheitssystems auf die Primärversorgung schwach. Die Primärversorgung in Griechenland erfolgt in städtischen Gebieten hauptsächlich durch vertraglich gebundene niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. In ländlichen Gebieten arbeiten einige wenige angestellte Ärztinnen und Ärzte in öffentlichen Gesundheitszentren. Es gibt kein System in der Primärversorgung. Wir haben kein Gatekeeping-Überweisungssystem. Wir haben keine Patientenlisten. Wir haben hohe Privatzahlungen. Die Versorgung ist auf diejenigen beschränkt, die die Praxen aufsuchen. Uns fehlt eine umfassende nationale elektronische Patientenakte. Es gibt keine Überweisungsschreiben, keine Kommunikation mit Fachärztinnen und Fachärzten und keine klar definierte Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte im Management chronischer Erkrankungen.

Die meisten Privatpraxen in städtischen Gebieten sind Einzelpraxen. In ländlichen Gebieten sind es öffentliche Gemeinschaftspraxen. Wir haben ein fragmentiertes Gesundheitssystem. Patientinnen und Patienten können jeden gewünschten Dienst in Anspruch nehmen. Sie haben zahlreiche erste Anlaufstellen. Es gibt ein großes Problem bei der Kontinuität der Versorgung und der Koordination. Wir schaffen es nicht, eine umfassende Versorgung anzubieten, aber wie Sie sehen können, machen wir uns bei den kardiovaskulären Risikofaktoren recht gut. Wir kontrollieren unter anderem Cholesterin, Diabetes und Adipositas. Insgesamt ist die Primärversorgung in Griechenland unterfinanziert. Dies zeigt die krankenhauszentrierte Ausrichtung. Aufgrund der hohen Privatzahlungen haben wir ungedeckten Versorgungsbedarf bei Menschen mit niedrigem Einkommen. Wir haben Probleme beim Zugang für Patientinnen und Patienten.

Insgesamt gibt es in Griechenland zu viele Ärztinnen und Ärzte. Wir liegen weltweit an erster Stelle bei Ärztinnen und Ärzten pro Bevölkerung. In städtischen Gebieten haben wir die höchste Ärztedichte. In Athen, wo ich praktiziere, herrscht die höchste Dichte weltweit. Wir haben zu viele Kardiologinnen und Kardiologen. Wir haben jedoch eine sehr starke Kardiologische Gesellschaft, die Hellenische Kardiologische Gesellschaft. Wir haben derzeit etwa 3.500 Hausärztinnen und Hausärzte in Griechenland, während wir 60.000 Ärztinnen und Ärzte haben.

Derzeit befindet sich Griechenland mit Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft und der WHO im Reformprozess. Ab dem 1. Januar 2018 müssen sich Patientinnen und Patienten bei einer Hausärztin bzw. einem Hausarzt registrieren, die/der als Gatekeeper fungieren muss. Es gibt einige neue kleine öffentliche Familiengesundheitseinheiten in städtischen Gebieten mit multidisziplinären Teams; nicht gut an dieser Art von Struktur ist, dass Hausärztinnen und Hausärzte öffentliche Bedienstete mit festem Gehalt sein werden. Wir bezweifeln, welche Qualität ein solches System haben wird. Auch die Wahlfreiheit der Patientinnen und Patienten wird eingeschränkt. Für die Ärztinnen und Ärzte ist das Einkommen nicht zufriedenstellend. Es wird niedriger sein. Wir wissen nicht, warum wir das tun, warum wir gleichzeitig das dichteste Netz an niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten haben.

CVD in Griechenland

Daten aus einer sehr aktuellen Studie zeigen, dass wir bei der Mortalität durch ischämische Herzkrankheit im Verhältnis zu den im Gesundheitswesen ausgegebenen Mitteln recht gut abschneiden. Wir haben eine gute Herzmortalität, machen aber gleichzeitig nicht die gewünschten Fortschritte. In den letzten 25 Jahren hatten wir einen der schwächsten Fortschritte in Europa. Das erklärt sich teilweise durch die Risikofaktoren und die Gesundheitsverhaltensweisen. Wir liegen europaweit an erster Stelle beim Rauchen, dem Rauchen bei Erwachsenen, und an erster Stelle bei kindlicher Adipositas.