EPCCS 2019 In fallbasierten Diskussionen wurden verschiedene Komplexitäten des Managements von Patientinnen und Patienten mit Multimorbidität und Polypharmazie erörtert, und Strategien zum Umgang damit wurden ausgetauscht.
Von Beginn an war der fallbasierte Workshop während des EPCCS CV Summit sehr interaktiv, da häufig in der hausärztlichen Praxis auftretende Patientenfälle erörtert wurden: Situationen, die sich nicht auf eine Krankheit und eine Therapie beschränken. Während Leitlinien sich oft auf eine einzelne Erkrankung konzentrieren, sind sich Hausärztinnen/Hausärzte durchaus bewusst, dass viele Patientinnen und Patienten mehrere Komorbiditäten haben. Häufig geben Leitlinien keine angemessene Anleitung dazu, wie Patientinnen und Patienten mit mehreren Erkrankungen und Therapien behandelt werden sollen. Den krankheitsspezifischen Leitlinien fehlt es an Integration, sodass für eine gute Versorgung einer einzelnen Patientin/eines einzelnen Patienten verschiedene Leitlinien berücksichtigt werden müssen. Die meiste RCT-Evidenz hat eine begrenzte Anwendbarkeit auf Patientinnen und Patienten mit Multimorbidität, da komplexe Patientinnen und Patienten häufig von Studien ausgeschlossen werden. Einige Evidenz ist jedoch verfügbar, basierend auf Subgruppenanalysen in großen RCTs, doch diese Daten erhalten wenig Aufmerksamkeit. Nicht nur körperliche Erkrankungen sind relevant, sondern Hausärztinnen/Hausärzte sollten auch psychosoziale Faktoren und psychische Probleme oder Erkrankungen berücksichtigen. Die körperlichen und psychologischen Bereiche können sich nicht nur gegenseitig beeinflussen, sondern auch Medikamente können interagieren oder Risiken für die Entwicklung anderer Erkrankungen mit sich bringen. Zudem müssen Patientinnen und Patienten nicht nur ihre Erkrankung und ihre Therapie bewältigen, sondern haben auch Familie (jeweils mit eigenen Freuden und Problemen), Berufe, Haushalt und/oder andere Aktivitäten und Angelegenheiten zu bewältigen. Die angemessene Berücksichtigung all dieser Faktoren ist für Praktikerinnen und Praktiker anspruchsvoll, und bessere Evidenz und Ansätze für das Management sind willkommen. Dies kann eine Verlagerung hin zu stärker patientenzentrierten Zielen einschließen, anstelle von krankheitszentrierten Zielen, und ebenso sollten Erstattungssysteme auf der Versorgungsqualität basieren. Medizinische Entscheidungsfindung sollte stärker auf der Optimierung des Nutzens, der Minimierung von Schaden und der Verbesserung der Lebensqualität basieren, und die Komplexität und Durchführbarkeit der Behandlung müssen bewertet werden. Dabei sollten stets die Präferenzen der Patientinnen und Patienten einbezogen werden. Während Evidenz aus veröffentlichten Berichten angewendet werden sollte, ist es zudem wichtig, die Grenzen der verfügbaren Evidenzbasis anzuerkennen. Andere Präsentationen während des EPCCS CV Summit befassten sich ebenfalls mit den durch Multimorbidität auferlegten Herausforderungen, und dieses Thema wird auch bei zukünftigen EPCCS Summits weiterhin Aufmerksamkeit erhalten.