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11 Sept. 2026

Glucagon-like Peptid-1-Rezeptor-Agonisten bei obstruktiver Schlafapnoe

Eine Übersicht.

Alexandria Harris, Thomas Kaffenberger - JAMA otolaryngology-- head & neck surgery

Eine aktuelle narrative Übersicht und Daten aus einer Phase-3-Studie (SURMOUNT-OSA) zeigen, dass GLP-1-Rezeptor-Agonisten, einschließlich Tirzepatid, den Apnoe-Hypopnoe-Index bei Erwachsenen mit Adipositas und obstruktiver Schlafapnoe um 20 bis 24 Ereignisse pro Stunde senken. Die Remissionsraten liegen bei 42 % bis 50 % (AHI <5 oder <15 ohne Symptome), was hauptsächlich auf den Gewichtsverlust und die Verringerung des Fettgewebes der oberen Atemwege zurückzuführen ist. Obwohl die Wirksamkeit nicht an die von CPAP heranreicht und die kardiovaskulären Endpunkte noch nicht nachgewiesen sind, werden diese Arzneimittel als wertvolle Ergänzung für CPAP-intolerante Patienten, zur präoperativen Optimierung oder zur Erweiterung der Kandidatenkandidatur für die Hypoglossusnervenstimulation positioniert.

Zusammenfassung

BEDEUTUNG: Obstruktive Schlafapnoe (OSA) betrifft nahezu 1 Milliarde Erwachsene weltweit und ist unabhängig mit kardiovaskulären Erkrankungen, Schlaganfall und einer erhöhten Mortalität assoziiert. Während die kontinuierliche positive Atemwegsobdrucktherapie (CPAP) weiterhin der Goldstandard der Behandlung darstellt, begrenzen Adhärenzraten von nur 30 % bis 60 % ihre Wirksamkeit auf Bevölkerungsebene. Fettleibigkeit liegt bei 60 % bis 70 % der Patienten mit OSA vor und stellt den primären modifizierbaren Risikofaktor dar; jedoch zielten bis vor Kurzem keine pharmakologischen Therapien spezifisch auf diesen pathophysiologischen Mechanismus ab. Die im Dezember 2024 vom US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) erteilte Zulassung von Tirzepatid als erste Medikation, die für die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer OSA bei Erwachsenen mit Fettleibigkeit indiziert ist, markiert einen Paradigmenwechsel hin zu einer krankheitsmodifizierenden Pharmakotherapie mit Auswirkungen auf die hals-nasen-ohrenärztliche Praxis. BEOBACHTUNGEN: Sechs Metaanalysen zeigten konsistente Reduktionen des Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) durch Glucagon-like-peptid-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA), die zwischen -5,7 und -21,9 Ereignissen pro Stunde lagen. Die Phase-3-Studien SURMOUNT-OSA zeigten, dass Tirzepatid den AHI um 20 bis 24 Ereignisse pro Stunde im Vergleich zu Placebo reduzierte, wobei 42 % bis 50 % der Patienten eine Krankheitsremission erlebten (AHI <5 Ereignisse pro Stunde oder <15 ohne Symptome). Die Gewichtsabnahme ist der primär etablierte Wirkmechanismus, wobei GLP-1-RA die Fettansammlungen in der Zunge und das parapharyngeale Fettgewebe reduzieren, die zur Kollapsneigung der oberen Atemwege beitragen. Erste präklinische Evidenz deutet auf potenzielle gewichtsunabhängige Effekte hin, die durch die Modulation der Chemosensitivität (Beeinflussung der Loop-Gain) über Glucagon-like-peptid-1-Rezeptoren im Glomus caroticum, Interaktionen mit dem Leptin-Signalweg, die mit der neuromuskulären Kontrolle der oberen Atemwege assoziiert sind, sowie die Unterdrückung des NLRP3-Inflammasoms vermittelt werden könnten. GLP-1-RA erreichten jedoch nicht die Wirksamkeit der CPAP (ca. 22 vs. 31 Ereignisse pro Stunde Reduktion des AHI), kardiovaskuläre Nutzenbelege stehen noch aus, und ein Wiederauftreten der Gewichtszunahme tritt nach Absetzen der Therapie häufig auf. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND RELEVANZ: Diese Übersicht deutet darauf hin, dass GLP-1-RA HNO-Ärzten eine krankheitsmodifizierende Ergänzungstherapie bei fettleibigkeitsassoziierter OSA bieten, die am besten als komplementäre Therapie zusammen mit CPAP, zur präoperativen Optimierung vor Operationen der oberen Atemwege oder potenziell zur Erweiterung der Kandidatenauswahl für Zungenstimulatoren positioniert ist. Sie sind für Patienten mit einem Body-Mass-Index (berechnet als Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat) von größer als 30 geeignet, die CPAP nicht vertragen oder fettleibigkeitsbedingte Komorbiditäten aufweisen. Sie dürften jedoch bei Patienten ohne Fettleibigkeit oder bei vorwiegend anatomischer Obstruktion unlikely keinen Nutzen bringen. Kritische Lücken in der Evidenz bestehen hinsichtlich der Assoziationen mit dem kritischen Verschlussdruck der Pharynx, den Kollapsmustern in der medikamenteninduzierten Schlafenendoskopie sowie den Ergebnissen von Kombinationstherapien mit Zungenstimulatoren.