16 März 2025
Primärprävention der atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung (ASCVD) in der hausärztlichen Versorgung: Ein systematischer Review von Leitlinien
Maren Bredehorst et al - Front. Med. 11:1494234. doi: 10.3389/fmed.2024.1494234
Es wurde ein systematischer Review klinischer Praxisleitlinien (CPGs) zur Primärprävention der atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung (ASCVD) durchgeführt, um die wirksamsten Strategien zur Senkung des ASCVD-Risikos zu bewerten.
Die Studie hob die Bedeutung der regelmäßigen Aktualisierung von Leitlinien hervor, um neue Evidenz, aufkommende Risikofaktoren und neuartige Therapien einzubeziehen.
Hauptergebnisse
- Neue Risikofaktoren: Der Review betonte die Einbeziehung aufkommender Risikofaktoren wie Luftverschmutzung, sitzender Lebensstil und psychosozialer Stress, die in aktuellen Studien zunehmend Beachtung finden. Die Integration dieser Faktoren in klinische Praxisleitlinien kann helfen, zeitgemäße Herausforderungen bei der ASCVD-Prävention zu bewältigen.
- Fortschritte bei diagnostischen Werkzeugen: Werkzeuge wie die koronare Kalzium-Score-Bestimmung und Gentests auf familiäre Hypercholesterinämie gewinnen zunehmend an Bedeutung bei der Identifizierung von Personen mit hohem Risiko. Die Studie stellte die Frage, ob diese in die hausärztliche Praxis integriert werden sollten, um eine frühere Erkennung und Intervention zu ermöglichen.
- Aufkommende Therapien: Neue Medikamentenklassen wie PCSK9-Hemmer und SGLT2-Hemmer zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Prävention von ASCVD. Diese Therapien sollten in aktualisierte Leitlinien aufgenommen werden, um die Behandlung von Hochrisikopersonen zu optimieren.
- Variabilität in Leitlinien: Es wurde eine erhebliche Variabilität zwischen den 26 überprüften CPGs festgestellt, insbesondere bei Methoden zur Risikobewertung, nicht-pharmakologischen Interventionen und pharmakologischen Behandlungen. Diese Inkonsistenz stellt für hausärztliches Fachpersonal eine Herausforderung bei der Umsetzung standardisierter Versorgung dar.
- Demografische und klinische Subpopulationen: Der Review konzentrierte sich zudem auf die Anpassung von Präventionsstrategien für spezifische Populationen, einschließlich älterer Menschen, Frauen und Personen mit Erkrankungen wie Diabetes und Multimorbidität. Personalisierte Ansätze sind für ein optimales ASCVD-Risikomanagement unerlässlich.
- Lebensstilinterventionen: Nicht-pharmakologische Interventionen wie Verhaltensberatung, körperliche Aktivität und Ernährungsanpassungen wurden in den Leitlinien durchgängig empfohlen. Die Stärke dieser Empfehlungen variierte jedoch, insbesondere hinsichtlich spezifischer Ernährungsmuster und Trainingsprogramme.
- Pharmakologische Interventionen: Statintherapie wurde häufig für Hochrisikopatientinnen und -patienten empfohlen, doch es bestand erhebliche Variabilität hinsichtlich des Zeitpunkts und der Art der Verschreibung. Nicht-Statine wie Ezetimib und Fibrate wurden ebenfalls behandelt, mit gemischten Empfehlungen zu ihrer Verwendung in der Primärprävention.
- Konsistenz und Qualität der Leitlinien: Die meisten Leitlinien waren von hoher Qualität, jedoch wurden Unstimmigkeiten bei der Evidenzbewertung und den Empfehlungen festgestellt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren Harmonisierung bei der Entwicklung klinischer Leitlinien, um Klarheit und Konsistenz zu gewährleisten.
Fazit
Der Review kommt zu dem Schluss, dass die Primärprävention von ASCVD zwar ein gut erforschtes Gebiet ist, laufende Aktualisierungen der Leitlinien jedoch entscheidend sind, um aufkommende Evidenz und neue Behandlungsoptionen einzubeziehen. Darüber hinaus wird eine größere Konsistenz zwischen internationalen Leitlinien und ein stärker personalisierter Versorgungsansatz die Wirksamkeit von ASCVD-Präventionsstrategien im hausärztlichen Umfeld verbessern.
Redaktioneller Kommentar
Diese Erkenntnisse sind für Gesundheitsfachkräfte in der hausärztlichen Versorgung unerlässlich, um die ASCVD-Prävention zu verbessern und die Patientenergebnisse zu optimieren, insbesondere angesichts des sich entwickelnden klinischen Wissens und der vielfältigen Patientenbedürfnisse